Bremsen selbst reparieren

Bremsen selbst reparieren – worauf muss man achten?


Die Bremsanlage eines Fahrzeugs ist komplex und in vielen Fällen überlebenswichtig, ein fachgerechter Wechsel ist meistens unerlässlich.

Doch kann man Bremsen selbst reparieren? Natürlich, jedoch sollte man dazu ein Verständnis der Funktionsweise einer Bremsanlage haben. Bremsscheiben und Bremsbeläge werden beispielsweise in der Werkstatt fachgerecht getauscht.

Im Do-it-Yourself Verfahren ist es natürlich auch möglich, dazu muss man einige Dinge beachten, damit der Wechsel der Bremsen reibungslos und sicher verläuft, im schlimmsten Fall können Unfallfolgen tödlich sein, nebenbei sind auch finanziell Einbußen beim KFZ-Versicherer durch Ausschlüsse wegen nicht fachlicher Arbeiten möglich.

Wer Bremsen selbst reparieren möchte, braucht dazu weit aus mehr als nur Bremsscheiben und Bremsbeläge. Wer es sich nicht zutraut, sollte gleich einen Termin zum Wechsel der Bremsen in der Werkstatt ausmachen.


Beschaffung von Bremsmaterialien


Sind Bremsbeläge oder Bremsscheiben abgefahren, rissig oder einfach nicht mehr zeitgemäß, sollte man sich um Ersatz bemühen, dann ist es höchste Eisenbahn.

Bei der Hauptuntersuchung (TÜV) wird die Bremsanlage ohnehin genaustens unter die Lupe genommen, spätestens dort werden kaputte oder falsch installierte Bremssysteme aufgedeckt und bemängelt.

Die Beschaffung von Bremsmaterial wie etwa den Bremsscheiben oder Bremsbelägen bietet sich im Internet besonders an, Anbieter wie Daparto etwa liefern dazu einen großen Marktplatz, wo es neuwertige Ware zu erschwinglichen Preisen gibt, durch die Preissuchfunktion kann ein guter Preis häufig garantiert werden.

Oftmals bietet die Onboard Diagnose (OBD) wichtige Hinweise auf Probleme an der Bremsanlage, die Mitteilung ob Bremsscheiben oder Bremsbeläge getauscht werden sollten ist an dieser Stelle sehr hilfreich, moderne Autosysteme haben diese Infos ohnehin inne.

Neben den Scheiben, den Bremsbelägen, gehören auch das Bremspedal, die Handbremse, Bremsflüssigkeit und die Bremsschläuche zur Bremsanlage. Ob diese Bauteile verbraucht und ebenfalls ersetzt werden müssen, lässt sich in der Fachwerkstatt feststellen.


Aufbau der Bremsanlage


Wer seine Bremsen selbst reparieren möchte, sollte sich auskennen und zumindest den Aufbau einer Bremsanlage kennen.

Eine aktuelle PKW-Bremsanlage besteht aus folgenden Komponenten und Bauteilen:

  1. Bremszylinder (Haupt)
  2. Bremskraftverstärker
  3. Bremskreise
  4. Stufentandemzylinder
  5. Bremsflüssigkeiten
  6. Bremsleitungen und Bremsschläuche

Die Bremsanlage im PKW ist komplex, deshalb nochmals der Hinweis: Arbeiten und ein Austausch der Bremsen nur bei ausreichendem Fachwissen durchführen!

Folgende Teile sind direkt für den Bremsvorgang notwendig und werden beansprucht:

  • Bremspedal
  • Handbremse
  • Bremsschläuche
  • Bremsscheiben
  • Bremsbeläge
  • Bremsflüssigkeiten

Gerade Bremsflüssigkeiten werden oft unterschätzt und viel zu selten gewechselt, dabei sollte man die Hygroskopie nicht unterschätzen, denn diese Eigenschaft verändert den Bremsdruck und im schlimmsten Fall führt es zu einem Totalausfall der Bremsanlage.


Funktionsweise der Bremsanlage


Das Grundsystem und die Funktion der Bremsanlage beruht auf der Kraftübertragung durch Hydraulik an den Bremssattel. Den Namen Bremssattel hat er nicht von ungefähr, denn der Bremssattel liegt ähnlich wie der Sattel beim Pferd, direkt auf der Bremsscheibe auf.

Im Bremssattel selbst sind dann die Bremsbeläge verbaut, welche für die Abnutzung gerade stehen müssen. Durch Druck beim Bremsen etwa durch das Bremspedal, werden diese Beläge zusammengedrückt und wirken dabei bremsend auf die Bremsscheibe.

Bremsen selbst reparieren Beschaffung, Aufbau, Funktionsweise einer Bremsanlage. Wechsel von Bremsen

Bremsen selbst reparieren Beschaffung, Aufbau, Funktionsweise einer Bremsanlage. Wechsel von Bremsen

Die Bremsscheibe gehört zum Rad und bremst durch die Bremswirkung das Rad auch bei hohen Geschwindigkeiten ab, auch wenn sich dabei dann ein längerer Bremsweg ergibt. Aktuellere Fahrzeuge haben dazu diverse Hilfssysteme im Einsatz, das bestens bekannte ABS ist eines davon.

Mit dem Antiblockiersystem (ABS) wird die Bremsanlage etwa bei einer nötigen Vollbremsung nicht komplett blockiert, die positive Folge ist, dass das Fahrzeug noch teilweise kontrollierbar bleibt und nicht etwa starr bremst, was möglicherweise einen Überschlag des Autos als Folge hätte.

Bei älteren PKW sind noch Trommelbremsen verbaut, die Bremswirkung wird dabei durch zwei Bremsbacken erzeugt, welche sich in einer Trommel befinden, deshalb der Name Trommelbremse. Die Ansteuerung von Trommelbremsen erfolgt über einen Seilzug, dies ist heutzutage nicht mehr zeitgemäß.

Neuere Fahrzeuge haben mittlerweile fast ausschließlich Scheibenbremsen verbaut, welche durch die beschriebene Hydraulik wesentlich mehr Kraft auf die Bremsanlage übertragen können und dadurch unter anderem auch die Bremswege verkürzen können.


Woran erkennt man abgenutzte oder defekte Bremsen?


Als Fahrzeugführer kann man gute oder schlechte Eigenschaften normalerweise im üblichen Straßenverkehr feststellen.

Stellt man etwa beim Betätigen des Bremspedals eine langen Hebel oder einen längeren Zeitraum fest, bis die Bremse anspricht, kann man davon ausgehen, das die Verschleißgrenze naht oder bereits erreicht wurde.

Wer ein quietschendes, metallisches Geräusch wahrnimmt sollte ebenfalls handeln, auch bei einem Schleifgeräusch sollte man sich die Bremsen und deren Komponenten genauer anschauen. Die Abnutzung der Bremsen ist bei jeder Autofahrt enorm hoch, deshalb ist der Austausch auch von Zeit zu Zeit unumgänglich.

Hier einige Beispiele und Hinweise zur Abnutzung der jeweiligen Bremskomponenten:

Abnutzung bei Bremsbelägen feststellen

Neben der Bremswirkung die nachlässt, merkt man die Abnutzung von Bremsbelägen auch deutlich an den glatten Stellen, hier sollte man darauf achten, ob noch genügend Reibung beim Bremsen erzeugt wird.

Abnutzung einer Bremsscheibe ermitteln

Bremsbeläge können mit der Zeit die Bremsscheiben abschleifen und dadurch werden auch die Scheiben zu glatt, dies kann man wunderbar mit den Fingern überprüfen, indem man einfach darüber streift. Der Bereich an dem Bremsscheibe und Belag aufeinandertreffen kann rissig werden und an Wirkung verlieren, so etwas lässt sich optisch erkennen.

Abnutzung des Bremsklotzes

Bei älteren Fahrzeugen können die damals verbauten Bremsklötze noch in Betrieb sein, sollten die Klötze soweit runter geschliffen sein, dass nur noch der Bremskolben mit der Bremsscheibe in Kontakt kommt, sollte man schnell handeln. Hier trifft Metall auf Metall und man erkennt es deutlich an den Geräuschen.

Abnutzung beim Bremssattel

Auch der Bremssattel kann mit der Zeit an Funktion einbüßen, beispielsweise durch Nässe in der kälteren Jahreszeit und dadurch entstehende Korrosion. Es kommt dann oft vor, dass nicht mehr genügend Kraft auf die Kolben und damit natürlich auch auf die Bremsscheiben ausgeübt werden kann.

TIPP: Wer der Meinung ist, dass seine Bremsen und die Komponenten noch in Ordnung sind, sollte die Bremsflüssigkeit austauschen. Manchmal ist die Bremsflüssigkeit entweder nicht mehr ausreichend oder aber hat an Wirkung (Mischverhältnis) verloren.

Gibt es eine Verschleißgrenze in Kilometern bei Bremsen?

Eine pauschale Aussage, wann Bremsen und die einzelnen Komponenten getauscht werden sollen, gibt es nicht. Manche Bremssysteme funktionieren nach 10.000 KM nicht mehr richtig, andere hingegen erst bei 100.000 KM. Es kommt auf die Fahrweise, mögliche Defekte und weitere Fahreigenschaften an, deshalb ist eine Sichtprüfung regelmäßig durchzuführen.


Bremsen selbst reparieren


Grundsätzlich spricht rechtlich nichts dagegen, Bremsen selbst zu reparieren, es gibt jedoch Dinge die man dazu wissen sollte.

Das ein Austausch nur von Personen durchgeführt werden sollte, die vom Fach sind oder entsprechendes Verständnis haben ist klar. Auch bei der Beschaffung von Einzelteilen sollte man nicht sparen und schon gar nicht gebrauchte Teile mit neuen Teilen mischen (meine Meinung).

Weiterhin sollte man alle Arbeitsschritte genaustens durchführen und sich dabei Zeit nehmen, kleine Fehler können bereits schwerwiegende Folgen bei der Sicherheit im Straßenverkehr haben und damit auch andere Verkehrsteilnehmer gefährden.

Rechtlich gesehen ist es wohl so (keine Rechtsberatung!):

  • Sollte es zu einem Unfall mit Folgen kommen und der Einbau der Bremskomponenten erfolgte in Eigenregie und nicht fachgerecht, könnte die Versicherung eine Zahlung oder Schadendeckung ablehnen, insofern sie es nachweisen kann oder im Nachhinein auch Rückforderungen stellen

Dieser Problematik sollte man sich immer bewusst sein, auch für das Gewissen könnte es ein Punkt sein, ob oder ob nicht der Austausch in Eigenregie erfolgen soll.


Video zum Wechseln der Bremsscheiben


Eine genaue Schritt-für-Schritt Anleitung zum Austausch von Bremsscheiben an der Vorderachse findet ihr in diesem Video:

Wichtiger Hinweis: Erfolgt ein Wechseln der Bremsen, dann sollte die gesamte Vorderachse oder jeweils Hinterachse getauscht werden und niemals nur einseitig! Wer beispielsweise nur die linke Seite an der Vorderachse wechselt, könnte dadurch die Fahrsicherheit beim Bremsen beeinträchtigen.


Bremsscheiben und Beläge wechseln – die Kosten


Die Kosten sind nicht unerheblich, aber dennoch ist der Tausch von Zeit zu Zeit nötig.

Wer seine Bremsen in einer Fachwerkstatt wechseln lässt, muss mit folgenden Kosten rechnen:

  • Bremsbeläge 1 Satz (2 Stk.) etwa 60,- EUR
  • Bremsscheiben 1 Satz (2 Stk.) ca. 100,- EUR
  • Arbeitskosten je Satz etwa 100,- EUR

Grundsätzlich ist der Umbau und Austausch an der Antriebsachse etwas teurer, im Schnitt 25-50 EUR mehr. Nur die Bremsbeläge zu wechseln oder nur die Scheiben ist dann entsprechend preiswerter, die Arbeitskosten fallen dennoch an! Deshalb lohnt sich meiner Meinung nach nur ein gesamter Tausch je Achse.

Im Internet gibt es diverse Dienste, bei denen man sich Kostenvoranschläge zusenden lassen kann, dazu gehören etwa das Werkstattportal oder Fairgarage.

Insgesamt darf man beim Austausch der Bremsen von beiden Achsen etwa mit 500-600,- EUR rechnen.


Fazit

Bremsen selbst reparieren ist nicht unmöglich, jedoch gilt es einige Dinge zu beachten.

Neben dem Know-How welches man vorweisen sollte, ist auch bei der Beschaffung der Bremskomponenten auf Qualität und neuwertige Ware zu achten. Weiterhin müssen die Materialien passend für das jeweilige Automodell sein.

Die Kostenersparnis beim Austausch in Eigenregie sind mindestens schon mal die Arbeitskosten, welche in der Werkstatt angefallen wären, auch beim Material lassen sich hier und da ein paar Euros sparen, wenn es um den Kauf der Einzelteile geht.

Für einen technisch versierten Menschen oder jemanden vom Fach ist ein Austausch der Bremsen gar kein Problem, die Ersparnis liegt dann bei beiden Achsen bei etwa 200-300,- EUR. Wer sich damit weder auskennt, noch Interesse zeigt und vielleicht auch keine Zeit für den Selbstservice opfern möchte, der sollte lieber eine Werkstatt beauftragen.

Autoblogger: Janus Schulz

 

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