Kolumne: Gebrauchtwagen Teil 7 Probefahrt

Heute gehen wir auf Probefahrt.

In Teil 6 hast du gelernt, warum die Planung so wichtig ist.

Bevor du dich auf die Probefahrt begibst, solltest du dir das Fahrzeug im Stand in aller Ruhe ansehen.

Dazu möchte ich dir nun Auszüge aus meinem E-Book „Autokauf mit Grips“ geben und dir so technische Kenntnisse an die Hand geben.

Ich werde Stück für Stück durch die ausgewählten Fahrzeugkomponenten gehen, um dir darzulegen, was man beachten muss und was du dir wie anschauen musst, um Unregelmäßigkeiten zu erkennen.

Den Teil Probefahrt teile ich in zwei Teile auf.

Heute geht’s um einige Dinge, die man sich vor der Probefahrt anschauen sollte.

Ich kann das Thema nur anreißen, da es sehr umfangreich ist. Wie du Reparaturen an der Karosserie erkennst und einschätzt, ob diese mit einer gewissen Qualität durchgeführt wurden, steht ausführlich im E- Book.

Also, los geht’s.

Fahrzeug nach Beulen absuchen

Beulen sind immer ärgerlich, weil man sie wegen der Lichtbrechung so gut erkennt. Sie sind wie das Haar in der Suppe. Ich zeige dir nun eine schnelle und einfache Methode, wie du das Fahrzeug nach Beulen absuchen kannst.

Dazu stelle das Fahrzeug ins Tageslicht, aber nicht ins direkte Sonnenlicht.

Dann bedienen wir uns eines einfachen Hilfsmittels.

Ich verwende dazu ein Karo- bzw. ein Streifenmuster auf einem DIN A4 – Bogen. Du kannst es dir hier herunterladen und ausdrucken.

Klebe es am besten auf ein Stück Pappe, oder laminiere es ein. Dieses regelmäßige Muster halte ich im 90° Winkel vor die Karosserie, dass es sich darin spiegelt. Jetzt muss man nur noch das Muster auf dem Blech beobachten.

Sobald du damit über eine Beule fährst, verzerrt es sich und selbst kleinste Beulen werden sofort sichtbar. Am besten du hältst das Muster senkrecht zum Blech, dann siehst du die Spiegelungen am schnellsten.

Die Karosserie ist so in Minuten nach Beulen abgesucht.

Wie kann man Nachlackierungen feststellen, wenn man kein Messgerät zur Hand hat?

In vielen Medien wird die Magnetkartenmethode propagiert.

Ich habe dazu eine Messreihe aufgestellt und die Lackschichtdicken mit der Magnetkarte geprüft und später mit einem Profigerät vermessen.

Die grundsätzliche Idee hinter der Magnetmethode ist, dass der Magnet auf einer dickeren Lackschicht nicht (mehr so) gut hält. Beim Magnet selbst fängt das Problem schon an. Jeder Magnet hat Toleranzen in der Feldstärke.

Allein dadurch können die „Messergebnisse“ dieser Methode unterschiedlich ausfallen. Messen kann man diese Methode sowieso nicht nennen, da man kein Ergebnis in Zahlen bekommt.

Das Ergebnis der Messreihe war, dass die Magnetkarte ab einer Schichtdicke von 0,5 mm nicht mehr haftete. Auf einer geraden Fläche ist dieses Ergebnis noch halbwegs in Ordnung. Ist die Fläche aber gekrümmt (bspw. Kotflügel oder Heckklappe), kommt diese Methode schon an ihre Grenzen.

Mit solch einer Toleranz kann man keine belastbare Entscheidung treffen, da man heute bei richtiger Vorbereitung durchaus Schichtdicken bis 0,7 mm tolerieren kann.

Auf der anderen Seite können Nachlackierungen unterhalb 0,5 mm mangelhaft ausgeführt sein. Man tappt also immer irgendwie im Dunkeln.

Ein weiterer Nachteil dieser Methode ist, dass sie nur auf ausreichend großen Flächen funktioniert. Ist die Fläche zu klein, fällt die Magnetkarte allein schon wegen ihres Eigengewichts zu Boden. Es gibt aber auch oft Dellen, die eher klein und tief sind.

Wenn diese Dellen gespachtelt und überlackiert sind, sind die Grenzen dieser Methode schon wieder erreicht.

Einen mangelhaft instand gesetzten Hagelschaden kann diese Methode leider nicht erkennen. Weiter kommt hinzu, dass vermehrt Bleche, teilweise ganze Karosserien, aus Leichtmetall (umgangssprachlich Alu) eingesetzt werden. Magnete haften auf diesen nicht.

Mercedes SL und Audi A8 sind nur einige Beispiele.

Weitere sind die Motorhaube der Mercedes C-Klasse und Audi TT. Dort versagt diese Methode, wie auch auf Kunststoffen, komplett.

Was im TV gut aussieht, kommt in der Praxis sehr schnell an seine Grenzen. Ich stecke die Methode deshalb in die Kategorie „Gewissen halbwegs beruhigt“.

Das soll´s für heute gewesen sein.

In Teil 8 geht’s dann zum Fahrteil der Probefahrt und was dort unter anderem zu beachten ist.

Heute gibt es wieder eine Frage an dich:

• Konntest du für dich schon ein paar Sachen lernen?

Bis in 14 Tagen und noch einen hervorragenden Tag
Michael

 


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